Hinausgelängt

Vorgestern betrat der stattschreiber das Wartezimmer seiner Kiefernorthopädin und schreckte zurück. Sein Blick war auf die Frau gefallen, die als Frau Lang bekannt ist. Ganz klar: Alles an Frau Lang ist lang.
Zunächst einmal hat sie einen sehr langen Oberkörper. Sie ist eine Sitzriesin. Sehr aufrecht. Dann fällt ihr langes, wasserstoffblondes Haar mittelgescheitelt sehr lang über ihre Schultern. Ihre schwarz umrandeten Augen liegen tief in den Höhlen.
Ihre Fingernägel sind vier Zentimeter lang und glitzern.
Die Absätze ihrer Schnürstiefel sind 15 Zentimeter lang.
Dem stattschreiber wurde klar: „Sie liebt die Länge. Sie sucht die Länge.“ Aber er fragt sich auch: „Was gibt ihr die Länge? Warum pflegt sie diese Affinität zur Länge?“
Vielleicht ist das Lange an der Frau ihre verklausulierte Sehnsucht nach etwas Höherem in ihrem Leben. Etwas, dass über sie hinauslängt?

2 Kommentare zu „Hinausgelängt

  1. Ja, diese These ist höchstinteressant. Angewendet auf ‚den Mann‘ lautet sie wie folgt: „Vielleicht ist das Lange am Mann seine verklausulierte Sehnsucht nach etwas Höherem in seinem Leben. Etwas, dass über ihn hinauslängt?“ Reist man beispielsweise durch Indien,springen
    einem an jeder zweiten Ecke buntgepinselte Anzeigen zum Thema ‚penis enlargement‘ an. Ich glaube, der stattschreiber ist da einem grossen kosmischen Zusammenhang auf die Spur gekommen …

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