Wild in der Sonne

An einem Freitagmittag wartet der stattschreiber am örtlichen Bahnhof, um sein Kind abzuholen. Riesengruppen von Schülerinnen und Schülern aus dem Berufsbildungszentrum strömen die Blumenröder Straße hinab und in die Fußgängerunterführung hinein, die unter den Gleisen hindurch führt.
Der stattschreiber steht oberhalb der Treppe zur Unterführung und hat die wilden Trupps im Blick. Gruppen von Mädchen in Leggings, die sich anpöbelnd, fluchend, lachend, Bodychecks verabreichend in die Unterführung schieben. Hey, wie wild!
Gruppen von Jungs mit gegelten Haaren, einen fadenscheinigen Aktenordner unter dem Arm, sich in den Schwitzkasten nehmend, kickboxend, brüllend, feixend in die Unterführung tänzeln. Hey, Mann, wie wild!
Und oben fährt ein Bus der Stadt vorbei. Der hat ein digitales Laufband auf dem groß geschrieben steht: „Pause“. Und darüber sich abwechselnd die Worte: „gesetzlich“ und „vorgeschrieben“.
Und der stattschreiber denkt: „Lebensprallheit, ich danke Dir!“

2 Kommentare zu „Wild in der Sonne

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