Landpartie in Habachtstellung

Am Sonntag schien die Sonne und den metropolenschreiber zog es hinaus auf´s Land. Sein Ziel war Schloss Schaumburg. Zehn Minuten von der kleinen Metropole entfernt. Unterhalb der Burg liegt ein Landgut, der Sitz von Mother Meera, einer indischen Gura, die jedermann gerne mit guten Vibes versorgt. Wie zum Beispiel Madonna und Paul McCartney, die angeblich auch schon vorbeigeschaut haben.

Auf jeden Fall parkten viele schicke Audis und BMWs aus ganz Deutschland und Wohnmobile aus Frankreich vor dem Ashram der Mutter. Neugierig pirschte sich der metropolenschreiber an, doch Butzenscheiben verhinderten tiefere Einblicke. Und ein Schild verkündete auf Deutsch, Englisch und Französisch: „Auch wenn die Tür offen steht. Tritt nicht ein. Klingele und warte.“

Der metropolenschreiber wollte nicht warten. Er ging seines Weges. Hoch zum Schloss, das seit Jahren leer steht.

Neugierig schritt der metropolenschreiber das Zufahrtssträßchen hinauf, als ihm plötzlich eine junge Frau in bunter Outdoor-Tracht entgegenkam. Doch die Frau war nicht alleine.  Ein bulliger, weißer Hund mit einem schwarz umrandeten Auge zerrte an einer viel zu langen Leine. Als Hund und Frau den metropolenschreiber gewahrten, gingen sie in Habachtstellung. Der metropolenschreiber erschrak. Seine Hand wanderte über seinen Anorak. Wo war der Pfefferspray? Zuhause!

Der metropolenschreiber trat den Rückzug an. Glücklicherweise zweigte linkerhand ein Pfad ab. Möglichst beiläufig schlenderte er von dannen. Versteckt hinter einem Busch lauschte, fluchte, schimpfte er über die Einschränkung seiner bürgerlichen Freiheit.

War das gefährliche Paar vorbei? Endlich, als die Luft rein schien, wagte er sich vorsichtig auf den Hauptweg zurück, gab sich einen Ruck und marschierte entschlossen auf das Schlosstor zu. An einer verrammelten Kassenbude vorbei, gelangte er zu einem Fachwerkhaus unterhalb der eigentlichen Burg. Ein VW-Polo rostete hier vor sich hin. Flokatis flatterten im Wind. Und wieder ein Schild: „Hier laufen Hunde frei!“

„Mistiges Privateigentum! Mistiger Verlust an Freiheit! Die Freiheit deines Hundes ist mein Kerker! Die Erde gehört uns allen!“

Der metropolenschreiber wandte sich ab. Er wollte sich bei Mother Meera ausheulen. Über die Engstirnigkeit. Die Habgier. Die Zäunezieherei. Die Hundezüchter mit narzisstischer Störung,denn: Auf seinem Rückzug tauchten vier SpaziergängerInnen mit selbst gefilzten und gebatikten und gerastaten Zöpfen auf und diese hatten (Nein!) einen schwarzen, schlanken, drahtigen, zähen, kruppstahligen, unangeleinten Schweinehund dabei!

Und diesmal gab es keinen Fluchtweg. Diesmal gab es nur Auflösung der eigenen Existenz. Unsichtbarmachung durch scheinbares Beschäftigtsein: Der metropolenschreiber musterte ausgiebig die Nadelstruktur der angegrenzenden Eibenhecke, studierte die Kieselsteine zu seinen Füßen und schlich wie ein menschlicher Tarnkappenbomber an dem lustigen Völkchen vorbei. Als er in allergrößter Unsichtbarkeit die Gruppe und ihr gefährliches Haustier passierte, vernahm er noch, wie eine der Damen kommandierte: „Gandhi, bei Fuss!“

Ein Kommentar zu „Landpartie in Habachtstellung

  1. diese geschichte finde ich die bisherige meisterleistung des metropolenschreibers in puncto pointiertheit. im dunstkreis von heiligkeit geht es oft ganz schön heftig zu (in diesem zusammenhang möchte ich der welt den herausragenden film ‚guru‘ empfehlen.
    man kann sich aber auch mit dem thema Muammar Abu Minyar al-Gaddafi beschäftigen, die unterschiede sind graduell).und mir fällt gerade ein, dass ich neulich jemandem empfohlen habe, seinen hund ‚osho‘ zu nennen. was dieser person aber zu brenzlig war. es wurde dann doch: waldi.

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