Der ignorierte Fotofries – oder: Mach auch Du einen Wohnzimmerfragebogen!

Seit einigen Tagen besitzt der metropolenschreiber einen Fotofries. Der hängt in seinem Wohnzimmer an der Wand und zeigt Ansichten der großen Metropole: Steine und Leute und ziemlich verfremdet. Die Bildleiste ist gut drei Meter lang und rund 50 cm hoch. Gemacht von einer Meisterschülerin aus der großen Stadt.

Wenn der metropolenschreiber jetzt einen Gast empfängt und ihn in sein Wohnzimmer führt, gibt er sich möglichst unbeteiligt. Doch in ehrlicher Wirklichkeit beobachtet er seinen Gast: Wie reagiert er oder sie auf den Fotofries? Na?! Und? Wie?

Das Ergebnis ist niederschmetternd. Gäste aus der kleinen Stadt zeigten bis heute keinerlei Reaktion. Warum? Höflichkeit? Desinteresse? Langeweile? Der metropolenschreiber weiß es nicht. Aber: Er wird aktiv. Er entwickelt einen Fragebogen für jeden Wohnzimmerbesucher und Fotofriesbetrachter.

„Ich zwinge Euch zu differenzierter Kunstbetrachtung. Ich zwinge Euch zum Denken! Jetzt!“ überlegt der metropolenschreiber und wünscht sich eine Welt voller Wohnzimmerfragebogenentwickler und Wohnzimmerfragebogenausfüller.

Denn: Mit Wohnzimmerfragebögen gibt es keine peinlichen Gesprächspausen mehr. Jeder Wohnzimmerfragebogen lädt zur Diskussion ein. Jeder Wohnzimmerfragebogen ist der Baustein einer neuen Debattenkultur!

Und Freunde: Geschummelt wird nicht. Nur der ehrlich ausgefüllte Wohnzimmerfragebogen zählt.

3 Kommentare zu „Der ignorierte Fotofries – oder: Mach auch Du einen Wohnzimmerfragebogen!

  1. Das Landei besucht den Metropolenschreiber und ist ehrfürchtig angesichts städtisch mondäner Hausgestaltung. Zur Abrundung des Bildes liegt doch tatsächlich die aktuelle Zitty auf dem Couchtisch. Beim Metropolenschreiber daheim kann man sich jeden Tag darüber informieren, was in der großen Metropole los ist, jede einzelne Veranstaltung nachlesen. Mit Sicherheit gibt es auch einen Stadtplan der großen Metropole, um bisher unbekannte Veranstaltungsorte zu lokalisieren…und dann doch nicht hin zu können.

    Was ist da der Hintergrund? (Ließe er sich mittels Fragebogen ermitteln?)
    Ist es Selbstkasteiung, Heimweh, Show, um Gäste vom Land zu beeindrucken(„seht wie viel näher wir er Großstadt sind?“)
    …oder ist der Metropolenschreiber eigentlich im tiefsten Inneren FROH darüber, nicht die Qual der 1000 Möglichkeiten zu haben. Und froh darüber, guten Gewissens auf dem heimischen Sofa unter dem Fotofries von einer Meisterschülerin aus der großen Stadt sitzen zu können, weil man jetzt ja leider, leider in der kleinen Metropole heimisch ist. Hier kann man endlich guten Gewissens und ohne was zu verpassen couch potatoe sein. Und das ohne das eingeschränkte Gefühl, welches das Leben auf dem Dorf aufkommen lässt. Schließlich ist man ja in der kleinen Metropole und man könnte sich sofort ins Nachleben stürzen – wenn man wollte.

  2. das phänomen kenne ich gut. manche leute sind einfach unglaubliche dumpfbacken! … banausen! … ignoranten! auch wenn sie nett sind und ein gutes herz haben. der wink mit dem zaunpfahl wird da nix nützen. lern lieber kalbsbries kochen. ich freue mich auf den fotofries.

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